Pure Doofheit. Oder: Fingerfilet

So, nach ein paar verletzungsbedingten Ausfalltagen hole ich jetzt mal etwas nach. Am Donnerstagabend war ich mit Doro und Co auf einer Biotech-Party hier in Braunschweig.

Der Abend war lustig und feucht-fröhlich wie sonst auch, bis ich es schaffte mich zum zweiten Mal beim Öffnen einer Bierflasche zu verletzen. Dies geschah, als ich den genialen Plan hatte eine Flasche mit der anderen zu öffnen. (Zähne hatten sich ja nicht bewährt…)

Im Grunde kein Problem, stimmt. Nun war die Flasche, welche ich als Öffner auserkoren hatte, allerdings schon leer, sprich ohne Krohnkorken. Als ich diese nun also mit mehr Gewalt als Technik als Hebel verwendete, brach sie am Flaschenhals und ich rammte mir die „Restflasche“ mit Elan in den Zeigefinger der linken Hand.

(Naja, die kleineren Schnitte und Splitter in der rechten Hand und sonst wo zähle ich einfach mal nicht mit)

Logische Konsequenz: Viel Blut. Als die ersten Taschentücher durchgeweicht waren, verzog ich mich mit meinem selbsterklärten Ersthelfer David aufs Klo, wo ich dann irgendwann einen mehr oder weniger professionellen Druckverband verpasst bekam.

Damit war die Blutung gestoppt. Ich war zu dem Zeitpunkt ja noch unter Wodka-bedingter Vollnarkose, merkte also nicht ganz viel von den Schmerzen, die ich eigentlich hätte haben müssen. So wiedersetzte ich mich dann auch standhaft allen Bemühungen irgendwelcher Menschen, die mich gerne ins Krankenhaus gebracht hätten und machte mich auf den Heimweg.

Zuhause angekommen wechselte ich brav den Verband und spülte die Wunden nochmal aus, dann legte ich mich ins Bett. „Ist ja nur ein Schnitt…“

Als ich dann am nächsten Morgen beim Verbandswechsel erneut mein komplettes Bad vollgeblutet hatte (es sah dort aus, als hätte man ein mittelgroßes Nagetier zerlegt) beschloss ich doch noch einen Arzt aufzusuchen. Erschien mir irgendwie logisch.

Doch damit fingen die Probleme erst an! Mein Hausarzt (ca 10 Min von mir) hatte zu. Ich suchte also den nächsten Allgemeinmediziner auf, in der Hoffnung, dass mir dort geholfen wird. Das stellte sich allerdings als recht naive Hoffnung heraus.

Denn es war nur eine Sprechstundenhilfe aufzufinden, die sich die Wunden kurz ansah und dann folgendes sagte: „Das sieht ja so schlimm gar nicht aus, aber wenn sie damit unbedingt noch zu einem Arzt wollen, die Praxis an der Petriekirche hat Notdienst! Ich muss sie leider wegschicken, da wir nicht ihr Hausarzt sind und auch gleich Feierabend machen!“

Na toll. So mache ich mich auf zur Petriekirche, weitere 20 Min entfernt, immer noch mit starken Schmerzen, aber zumindest mit der beruhigenden, professionellen Meinung „Das sieht ja so schlimm gar nicht aus“ im Hinterkopf.

Es war ungefähr 14:00 Uhr. An der Petriekirche hing nun ein Schild: „Notdienst ab 17:00 Uhr“ Ich fühlte mich durchaus leicht verarscht.

Jetzt hatte ich die Schnauze voll und beschloss mir eine Apotheke zu suchen, mir Wundsalbe und Verbandsmaterial zu kaufen und mich um mich selbst zu kümmern. Denn offensichtlich war ärztliche Versorgung ja zu viel verlangt.

Ich ging also in die nächste Apotheke am Altstadtmarkt (weitere 15 Min entfernt) und bat um Verbände und alles was man so braucht. Zu meinem Glück befand sich zufällig eine Rettungssanitäterin in dem Laden, die mir die netten Worte: „Bist du wahnsinnig? Das muss genäht werden!“ Entgegenbrachte. Im selben Gebäude befand sich auch ein Hausarzt, der kurzerhand in seiner Freizeit angerufen wurde und sich sofort bereit erklärte, mich zu behandeln.

Er konnte einen der Schnitte auch relativ problemlos kleben, der andere große Schnitt machte mehr Probleme. Nachdem er (übrigens ohne Betäubung, ich bin ja Kassenpatient) die Wundränder ausgeschnitten hatte, sagte er mir, dass ich sofort damit zu einem Chirugen müsse, da ich vermutlich die Sehne erwischt habe.

(In meinem Kopf hallten noch die Worte: „Das sieht ja so schlimm gar nicht aus!“ nach…)

Er klebte mich also notdürftig zusammen und ich setzte meine Ärzte-Odyssee quer durch Braunschweig fort. Eine halbe Stunde später lag ich auf dem OP-Tisch. Die Ärztin fischte noch einige Splitter aus meinem Finger, beide Schnitte hatten die Sehne erwischt und angeschnitten.

Das Ende vom Lied ist, dass ich den Finger hätte verlieren können, hätte ich mich nicht „sofort“ behandeln lassen. („Sieht ja so schlimm gar nicht aus“…)

Nun kommen noch einige Nachbehandlungen und Wundreinigungen auf mich zu. Billanz des Tages: Vier Stunden durch die Stadt gelatscht, fünf Spritzen bekommen, einen Finger filetiert, Paracetamol gefressen wie Smarties. Ach ja: Erkältet bin ich jetzt auch wieder. Ich liebe mein Leben… ;)

12 Antworten zu „Pure Doofheit. Oder: Fingerfilet“

  1. Jenni sagt:

    Du arme Sau! Manchmal (vor allem wenn man von ihnen abhängig ist) können Ärzte echt scheiße sein… adererseits könnte man einwerfen: „hättest du dich gleich ins Krankenhaus fahren lassen…..“ also ich hätt dich so nicht nach Hause gelassen und bei mir iste jeder Widerspruch zwecklos… kennst mich ja ;) dann auf jeden fall gute Besserung!!!!!

  2. Christoph sagt:

    Ja, daher der Titel. War eine saudoofe Aktion und ich hab natürlich auch selbst Schuld! Mich nervt nur, dass die Sprechstundenhilfe sich ein fachliches Urteil erlaubt hat, das – hätte ich darauf gehört – zu einem ganz üblen Ausgang hätte führen können…

    Ich zitiere mal Michi bei ICQ:

    „Das bekommt einen Ehrenplatz in der Liste der dümmsten Alkoholopfer“

    Recht hat er! ;)

  3. Sancho Panda sagt:

    intressant.. leute die am wenigsten ahnung haben („sieht ja nicht so..“) erlauben sich aber auch wirklich zu oft gerne das maul aufzureißen und fachzusimpeln..
    aber ich kanns durchaus verstehen, dass du nicht sofort ins kh fahren wolltest. über ärzte und ihre „arbeits“zeiten kann man sich nicht mehr aufregen… letztens saß ich auch über 2 stunden, nur damit er mir in 2 min behandlung sagen kann ich solle mehr sport machen *grrr*

    gute besserung! und gratulation, dass du trotz schwerer behinderung einwandfrei so einen langen text tippen konntest…

  4. Christoph sagt:

    Ja, ich habe das „neun-Finger-System“ erfunden… ;) Am spaßigsten war das bei meiner Nachmusterung damals: 2 Stunden ins BW-Krankenhaus fahren, 3 Stunden warten, 5 Minuten Untersuchung… Großer Spaß!

    Danke für eure Besserungswünsche!!!

  5. Andy sagt:

    *uff*

    Das klingt doch nach einem erfolgreichen Tag ;)

  6. Christoph sagt:

    Meinst du die Musterung oder das Finger-Filetieren?? ;)

  7. Christoph’s Blog sagt:

    [...] Aber jetzt bin ich befreit, keine Fäden, kein Hängenbleiben. Darauf mach ich mir doch gleich erstmal ein Bier auf… [...]

  8. odysseus2007 sagt:

    moin, bin zufällig auf deiner seite gelandet, mir is aba o was ähnliches passiert ^^ mit ner flasche hingefallen, flasche zerspringt und zack, sehne angeschnitten, bänder undkapsel in mitleidenschaft gezoegn und alles nur weil ich beim tanzen ausgerutcht bin ^^ wollte auch nich ins krankenhaus, war erstens mein 18, war ziemlich voll und es war vier uhr nachts ^^ naja, meine eltern ham mich dann doch hingefahren und nach ner stunde warten war ich auch schon dran und der arzt erteilte mir die positive nachricht (gut dass ich nich die ganze zeit dasselbe gedacht hatte wie du ^^) naja, nu hab ich noch für ne woche ne schiene, dann ma gucken,is bei dir sonst aslles verheilt?

  9. Christoph sagt:

    Hey!
    Ja, alles wieder in Butter. Ich hatte noch lange was davon, weil Nerven nun mal lange zum Verheilen brauchen (wurde mir zumindest so gesagt) daher tat die Narbe noch einige Monate weh.
    Jetzt ist die ganze Geschichte ja schon fast ein Jahr her, da ist also nichts mehr von übrig!
    Herzlichen Glückwunsch nachträglich und gute Besserung!

  10. Franka sagt:

    Spannende Geschichte, ich frag mich, was das für ne Biotechparty war, dass ich das nicht live miterlebt habe und was zum Teufel du im Netz zu suchen hast…tststs… :)
    Und mach nicht so einen Scheiß, ey! Da muss man ja Angst haben!

  11. odysseus2007 sagt:

    hey thx ;) hab nu vor 3 tagen die schiene abbekommen und kann den finger nur geringfügig bewegen, meinste das mit einige monate?? oda konntest du das sofort nach n paar tagen alles wieder bewegen? mein arzt meinte, bis eig morgen kann ich den wieder bewegen, dann hab ich ne bekannte gefragt, die ärztin is, und die meinte auch, das dauert n jahr bis das wieder bewegungsfähig is…

  12. Christoph sagt:

    Das mit dem Bewegen geht relativ schnell wieder (oder besser: ging bei mir relativ schnell wieder) Nur die vernarbte Stelle war noch einige Monate sehr empfindlich! Aber das wird alles wieder und sooo schlimm war es nun auch nicht, also mach dir keine Sorgen!

Eine Antwort schreiben