Wie schön. Die deutsche Medienlandschaft hat ein neues Lieblingsthema – den Klimawandel. Schlagwort: CO2 – Kohlenstoffdioxid. Offensichtlich reift in den letzten Tagen das kollektive Bewusstsein, dass der Klimawandel ein faktisch vorhandenes Problem ist.
Warum mich das nervt? Weil schon wieder jeder den Experten spielen möchte. Fernsehanstalten erkennen das Thema als Quotenbringer, so gut wie jeder Politiker stürzt sich zwar nicht informiert, dafür aber hoch motiviert in das (momentan) hochgradig populäre Thema.
Dabei ist es ja nicht so, als ob irgendjemand konkrete Vorschläge oder Gesetzesvorlagen geschaffen hätte. Um Gottes Willen, nein! Als Beispiel der Klimagipfel von Nairobi: Na klar, gute Absichten wurden demonstriert. Sehr gute sogar. Man verständigte sich darauf, dass die Reduktion des CO2-Ausstoßes in den nächsten Jahren auf jeden Fall drastisch reduziert werden sollte!
Praktisches Resultat eines hochkarätigen Gipfels, zu dem führende Politiker aller Industriestaaten in nicht eben CO2-neutralen Chartermaschinen flogen:
Die Erfolge des Kyoto-Protokolls sollen bis 2008 überprüft werden. Ohne Scheiß, unter dem Strich ist das alles.
Auch ich bin für Umweltschutz, klar. Auch mir ist bewusst, dass es mehr als dämlich ist, sich die eigene Lebensgrundlage zu entziehen.
Aber ist es das, was im Moment hier passiert? Ist es ein wahres Umdenken? Wohl kaum! Es ist halt immer mal wieder „Mode“ sich über dieses oder jenes aufzuregen…
Kampfhunde, „Killerspiele“, nehmt was ihr wollt. Dieses Mal halt CO2-Produktion. Gefundenes Fressen für die Politik und alle pseudo-Weltverbesserer da draußen in den letzten Tagen: Die Automobilindustrie.
Warum das so ist? Es ist einfach. Autos produzieren Abgase, sieht jeder, versteht jeder. Damit sind Autos böse. Und verantwortlich für das Sterben dieses Planeten. Ganz einfach. Daher berichtet auch im Moment jedes Automagazin über den effektiven Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von neuen Modellen und fordert wehement die Reduktion von eben diesem.
Auch diese Tatsache ist an sich super. Klar ist es lobenswert, dass Fiat oder Peugeot einen niedrigen Flottenverbrauch und damit im Schnitt weniger Schadstoffausstoß haben. Und ja, es ist auch legitim, den deutschen Herstellern vorzuwerfen, dass sie in dem Fall nicht mithalten können.
Nun baut Peugeot aber auch im wesentlichen Kleinwagen – die übrigens nicht weniger Sprit konsumieren als die deutsche Konkurrenz. Das ein 612 PS starker SL 65 AMG von Mercedes da nicht mithalten kann – wen will es wundern?
Okay, kommen wir zu den Punkten, die mich persönlich schon wieder anöden. Es ist – das kann ich nicht oft genug sagen – nicht das Thema an sich, es ist die Art der Auseinandersetzung.
Es werden die Hersteller und Fahrer großer, schwerer und teurer Autos angeklagt. Und mit Vergnügen wird vom Fußvolk in das allgemeine Gezeter mit eingestimmt. In Harz IV-Zeiten mal wieder eine wunderbare, medial angestachelte Art seinem Sozialneid Luft zu machen! Nicht nur das, man kann die Verantwortung auch wieder wunderbar auf andere schieben, das Problem auf eine Ebene verlagern, die man selbst nie erreichen wird.
Na klar, Klimawandel ist ein Problem das absolut jeden betrifft. Aber dieses momentane, stumpfe und gleichzeitig völlig sinnlose Rumgehacke auf Tatsachen, die man selbst nicht zu ändern bereit ist – das kotzt mich so an!
„Böse Mercedes-Fahrer!“ Dachte sich Nico aus Zwickau „Was fällt den Bonzen nur ein?“ und verbrannte dabei auf seinem Hinterhof noch einen Reifen, dessen Entsorgung Geld gekostet hätte…
Das liebe ich ja so! Die Diskussion heißt nicht: Was jeder Einzelne unternehmen kann. Nein. Es geht nur darum, Schuldzuweisungen zu machen und Verantwortlichkeiten abzuschieben.
Übertrieben? Meint ihr wirklich? Okay, Hand aufs Herz: Wer von den das hier Lesenden ist sich der Probleme mit der Umweltverschmutzung bewusst? Jeder? Aha. Wer von euch hat deswegen seinen Lebensstil geändert? Den Dachboden isoliert? Das Auto stehen lassen? Wer ist bereit, wirklich Geld für Umweltschutz zu investieren? Kaum einer? Ah ja…
Auch der Umweltminister, Sigmar Gabriel, stimmt in das Lied mit ein. Auch er wird es nicht wagen, den wahren CO2-Großproduzenten ans Leder zu gehen und damit noch mehr Industrie ins weniger streng reglementierte Ausland zu verdrängen. (Vermutlich – das sei zu seiner Entschuldigung gesagt – ist dies für die Umweltbillanz schlussendlich sogar besser…) Genauso wenig wird er dem eh schon Politikverdrossenem Volk mitteilen, dass es sich zur Rettung des Planeten gefälligst mal einschränken muss.
Nein, auch Herr Gabriel setzt voll auf Bestrafung der ach-so-bösen SUV und Sportwagenfahrer. Das der nagelneue Porsche vermutlich nur ein Drittel der Schadstoffe in die Luft pustet die Nicos (siehe oben) 14 Jahre alter Ford Escort emittiert, das ist erst einmal egal. Es geht ja in erster Linie um Politik, erst danach ist Platz für Umweltbewusstsein. Die Betonung liegt auf Minister, nicht auf Umwelt.
Warum nicht Motivationen schaffen für wirklich einschneidene Verbesserungen? Warum keine staatlichen Förderungen für unter Umweltaspekten sinnvolle Renovierungen/Isolierungen von Altbauten? Zumindest den öffentlichen? Warum nicht Geld investieren, um völlig veraltete Industrieanlagen im In- und Ausland auf den neuesten Stand zu bringen?
Wie durfte ich kürzlich in einer Statistik lesen: Die Reduktion des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes pro Jahr um den gleichen Betrag kostet beim Auto 100€ und bei einem Haus nicht einmal 5€. Fünf! Wenn es also in diesem ganzen Theater um die Umwelt ginge, wäre der Fall klar.
Also warum nicht? Die Antwort ist klar: Kein Geld, wie immer. Nun liefert diese ganze Umweltdebatte, so schwachsinnig sie in ihrer momentanen Form auch ist, aber vielleicht den passenden Vorwand für eine kollektiv geduldete, wenn gleich völlig sinnlose Steuererhöhung. Da sagt der geneigte Politiker doch nicht nein…



März 18, 2007 um 7:25
Du sprichst mir wirklich aus der Seele!
Ich kann dem wirklich nichts mehr hinzufügen. Sehr guter Beitrag. *grins*
März 18, 2007 um 7:32
Vielen Dank! (Ich würd was geistreicheres schreiben, bin aber noch voll mit rot-anlaufen beschäftigt..
)
März 18, 2007 um 7:53
Das mit dem „Kauft Kleinwagen, schont die Umwelt!“ find ich auch so lächerlich… Hab im letzten Spiegel gelesen, dass der Staat Kalifornien bei BMW Luxuslimousinen bestellt hat, die umweltfreundlich sind! Ich glaub die hatten einen Hybridantrieb, oder irgendwas mit Wasserstoff oder so… Die genauen Details hab ich net mehr im Kopf. Die Autos sollen dann auch nichtmal sehr viel teurer gewesen sein als umwelt“feindliche“ Modelle. Und die paar Kröten können denen, die sich son Modell zulegen, eigentlich egal sein.
Und zum Kyoto-Protokoll… solange die USA, Russland und China, die drei größten Schadstoff-Ausstoßer der Welt, sich einen Scheißdreck darum kümmern, ist das ganze eh hinfällig.
Nur gut das ich schon lange unter der Erde bin, wenn die Umwelt dann endgültig kippt.
März 19, 2007 um 3:37
na irgendwie muss man doch auch seine neuen autos loswerden! ich denke, da ist ein abgekartetes spiel. und deutschland ist mit so einem hirnriss wie immer erster. genauso wie ökosteuer: an sich ne gute überlegung, umwelt schonen, für die kinder blubb..aber wieso deutschland das als einzigstes land macht versteh ich nicht, liegt vielleicht am holocaust für den wir noch in 1000 jahren blechen werden…
naja jedenfalls weiss ich, dass es schon 1 liter motoren gibt (ein verwandter von mir hat daran mitgearbeitet), allerdings wurde dieser motor von einem grossen mineralölkonzern gekauft und seitdem unter verschluss gehalten, wäre ja auch doof wenn nun weniger kraftstoff verkauft werden würde…arme welt…
März 19, 2007 um 4:29
Applaus, Christoph, und danke… du hast nämlich in allen Punkten verdammt recht.
Aber dann denk ich mir wieder: Bevor ich mich um die so großartige Umwelt kümmere, will ich lieber dass alle Menschen auf der Welt in unserer heutigen Zeit auch wirklich leben können, denn was juckt’s mich wenn die Erde irgendwann zusammenkracht wenn wir in 2 Jahren ‘nen 3. Weltkrieg haben weil die Afrikaner keinen Bock mehr auf uns haben…
… ist zwar leicht übertrieben aber ihr wisst ja, was ich meine..
März 19, 2007 um 5:35
@ Caipi: Jo, da hat Kalifornien schlau gerechnet – BMW baut in Kleinserie den Siebener mit Wasserstoff-Antrieb, einer absolut emissionsfreien Antriebsart. Schade nur, dass für die Erzeugung von einem Kilo Wasserstoff viel, viel Energie nötig ist. Diese stammt (hallo, liebes Umweltbewusstsein) aus der Verbrennung von Kohle oder Öl.
@ Mars: Ich denke, diese Kartellbildung hat man überall. Auch da gibt es viele Verschwörungstheorien an denen ich zweifle, Fakt ist aber: Die Mineralölkonzerne haben NATÜRLICH kein Interesse an alternativen Energien und sind oft in den entsprechenden Machtpositionen, um deren Entwicklung zu sabotieren…
@ Skywalker: Danke für die Blumen! Und: Klar darf man über einem Problem brütend nie die anderen vergessen – aber was davon jetzt „wichtiger“ ist, keine Ahnung…