Gestern plagte Larissa die Langeweile, ihre Verzweiflung war sogar groß genug, um mit mir etwas unternehmen zu wollen! Nach einem flüchtigen Kontrollblick aus dem Fenster beschlossen wir, dass das Wetter stabil genug aussieht um sich eine Runde an den See zu legen. Zu diesem Zeitpunkt tat es das auch! Unsere Abfahrt wurde allerdigs durch einen gewissen organisatorischen Aufwand verzögert, da Laris Dickschädel sich auch mit Gewalt nicht in meinen Zweithelm quetschen lassen wollte. Also musste noch für Ersatz gesorgt werden!
Derart gerüstet konnten wir dann endlich los, eine schwarze Wolke der Größe einer Kleinstadt folgte uns auf dem Fuße. An unserem Ziel angekommen, trafen wir uns noch mit zwei von Laris Kumpels – die schon länger da lagen. Als ich mich aus der Schutzkleidung gepuhlt hatte fing es an zu regnen. Das Leben ist halt eine Schlampe. So packten wir vier dann (ca 20 Minuten nach meiner und Laris Ankunft) wieder unsere Sachen. Wie ja fast klar war, hörte der Regen sofort wieder auf! Also, Plan B: In die Stadt, Eis essen! Wobei mir eins auffällt: Die Braunschweiger Innenstadt hat ungefähr vier legale und kostenfreie Parkplätze, die von geschätzten 200 Politessen überwacht werden! Da ich der Stadt eh noch 30€ für meine “wo-ein-Fahrrad-hinpasst-pass-ich-auch-hin”-Einstellung schulde, aber nach 10Min Rumgegurke einiges Gefunden hatte (sechs Politessen zum Beispiel) aber keinen verfickten Parkplatz, stellte ich mich halt mehr oder weniger in das Café – Stumpf ist Trumpf, keiner hat gemeckert!
Für die weitere Abendplanung schieden unsere beiden am See aufgegriffenen Kumpel dann aus, da sie zu alt oder zu müde oder zu weich oder was auch immer sind. Larissa und ich fassten dann den Plan, uns auf dem Domplatz-Festival zu betrinken und rumzugröhlen. Ein Klassiker meiner Freizeitgestaltung!
So lief ich also Abends wieder in die Stadt, doch etwas war anders – die Stadt lief mir entgegen! Richtig, es war ja Stadtlauf, offensichtlich ein kulturelles Großereigniss. Jung und alt, groß und klein, dick und dünn – alle am Rennen! Die klare Gewitterluft war angereichert von allgegenwärtigen, diffusen Wolken aus Axelschweiß und dem unverkennbaren Aromen 15 Jahre alter Laufschuhe – Sport ist ja so ästhetisch!
Lari brachte die Bierreste ihrer Geburtstagsparty an den Start. Bei dieser Gelegenheit möchte ich der für “Nörten-Hardenberger” zuständigen Brauerei dann doch ganz ehrlich die Geschäftsaufgabe nahe legen – es gibt wohl nichts Abartigeres! Ehe wir uns versahen, war durch einen weiteren Schauer der ganze Domplatz menschenleer. Also mal wieder Planänderung: Lari hatte die Nummer einer amerikanischen Austauschstudentin, von denen läuft hier im Moment ein ganzer Batzen rum. Diese hatten sich – wie wir dann rausfanden – vor dem Wetter in eine Kirche gerettet (keine Ahnung wie man auf sowas kommt) und saßen da nun in so einem Gruppenraum um zu “feiern”. (Erklärung für die Anführungszeichen kommt noch)
Die Aussicht, einen Trupp antialkoholischer und unter Führung einer christlichen Gruppe stehender US-Amerikaner in einer Kirche mit ‘nem Pils in der Hand zu überfallen erschien uns sehr, sehr reizvoll! Also schwammen wir (so sahen zumindest unsere Klamotten aus) zur Bushaltestelle, auf zur “Party”!
Wir wurden sehr herzlich und wie üblich überschwenglich freundlich begrüßt – ich weiß nicht, wann sich das letzte Mal so viele Fremde “gefreut haben mich zu treffen”! Aber okay, das Spiel kennt man ja und kann das Verhalten ohne Schwierigkeiten adaptieren. Andere Aspekte des amerikanischen Feierverhaltens waren mir eher suspekt. Das man bei dieser Party seine Schuhe ausziehen musste, fand ich noch akzeptabel. Normalerweise schmeißt in meinen Augen sowieso immer irgendwann irgendeine Saufziege mit Glas um sich, von daher handhabe ich das anders – aber okay, war ja auch ein Gemeindehaus!
Das eine “Party” bei Amerikanern aber völlig ohne so elementare Dinge wie Musik, Stimmung oder Athmosphäre auskommt, das fand ich beeindruckend! Trotzdem wurden wir sehr nett aufgenommen und auch von vielen Leuten viele Dinge gefragt, haben uns viel unterhalten und den transatlantischen Austausch gut voran getrieben! Zum Glück waren alle Anwesenden geistig auch sehr fit – einige Austauschschüler, die in der 12. Klasse bei uns waren, zeigten sich ja schon überrascht davon, dass es in Deutschland Handys, Autos und DVDs gab, ich war daher auf Alles gefasst! Ach ja, noch eine Überraschung: Es gab Bier! Naja, es gab ‘nen Kasten Nörten-Hardenberger, den hatte einer der anwesenden Deutschen angeschleppt. Sagte ich schon, dass das Leben eine Schlampe ist?
Außer Larissa und mir trank dann aber auch niemand was. Sie spielten “Swoosh”. “Swoosh” würde hier nicht mal ein zehnjähriger nüchtern spielen! “Swoosh” bedeutet, dass man im Kreis steht und sich einen imaginären Ball zuspielt. Das Wort “Swoosh” sagt man immer, wenn man den Ball an seinen Nachbarn weitergibt. Neben “Swoosh” (dem einfachen Weitergeben) gibt es noch “Reverse”, “Zapp” und “Boing” – ich werde mal darauf verzichten, die Spielregeln hier in ihrer ganzen Komplexität zu schildern.
Jedenfalls flog immer der raus, der nicht in der Lage war das richtige von vier Wörtern in der richtigen Situation zu sagen. NÜCHTERN! Dieses Spiel wurde dort nun also die ganze Zeit gespielt. Larissa und ich waren übrigens trotz mittlerweile gut aufgefüllten Bier-Tanks immer so ziemlich die besten. (Dafür gab es auch ernst gemeinte Anerkennung!)
Als wir (ein Amerikaner und ich) so über die Erfolgschance dieses Party-Krachers in Deutschland philosophierten, ich ihm dabei die hiesige Vorstellung von Party-Spielen schilderte (Maiern, Flankyball, Kartenpusten oder NST (nur-so-trinken)), sagte irgendjemand, es wäre schade, dass wir hier so etwas nicht ohne Alkohol genießen können. Den Gedanken finde ich in gewisser Weise nachvollziehbar. Auf der anderen Seite gebe ich zu bedenken, dass es auch nicht unbedingt normal ist, wenn man sein geistiges Level ohne bewusstseinsverändernde Mittel auf das Niveau eines nicht mal zehnjährigen zurückschrauben kann. Oder?
Die Party war übrigens um halb 12 zuende – denn man müsse ja am nächsten Tag noch nach Berlin und es wäre ja schlicht unmöglich, wenn man (nüchtern!) nur fünf oder sechs (!) Stunden geschlafen hätte. Aaaaaalles klar. Da weder mit gutem Zureden, noch mit beleidigen und drohen irgendwas an dieser Situation zu ändern war (united we stand und so), machten Larissa, ich und ein paar abgezogene billig-Biere und halt alleine auf den Weg!
Nach einem kurzen Boxenstop bei mir, um mein durch den nächsten Regenguss inzwischen transparentes T-Shirt zu wechseln ging es also ins Joker!
“Star”gast gestern: Micky Krause! (Zehn nackte Frisösen und so) die Musik ist scheiße, keine Frage. Aber Stimmung machen kann der Kerl unheimlich gut! Nur das halt nicht nur ein Malle-Musiker da war, sondern auch Malle-Niveau. Aber fette, oberkörperfreie Typen mit ‘nem Sangria-Eimer auf der roten Rübe sind ja auch mal was Anderes… So gipfelte der Abend also nach dem Konzert im gewöhnlichen Joker-Abspacken!
Heute bin ich im Übrigen um acht aufgestanden und habe meinem Vater geholfen diverse Möbelstücke zwecks Renovierung die Treppe hoch zu schaffen – da sollen die Amis mal nicht so rumheulen…









Juni 16, 2007 um 5:15
Swoosh, Swoosh, Reverse, Boin, Zapp, Swoosh….pause…….damn.. If you mess, Ben, you have to leave the circle…. Good job…. See you on Sunday for the Tretboottour
Juni 16, 2007 um 5:18
Ich spiel übrigens immer gerne mit dir! Aber manchmal fällt mir halt erst auf das ich Zeit habe, wenn mir langweilig ist!
Und morgen schubsen wir die Yankees aus ihren Booten!
Juni 16, 2007 um 5:23
Die kommen doch eh nicht weit, Fortbewegung aus eigener Kraft ist ja nicht deren Stärke..
Aber ich freu mich auch schon total drauf!
Juni 16, 2007 um 6:39
Aber hallo, die auf dem Bild inner Mitte, gelbes Top… Uiiiiiih.
Juni 16, 2007 um 6:48
Da schreib ich ‘nen Blogeintrag, der vom Umfang her nicht viel weniger ist als “Krieg und Frieden” und alles was dir einfällt, ist das eine von den Ami-Bräuten geil aussieht?
Irgendwie ist das ja so…typisch…
Wenn ich sie morgen beim Tretbootfahren in der Oker versenke, mach ich ein Foto von ihr wenn sie GANZ NASS ist, Paul, dann stell ich das ohne Text hier rein!
Juni 16, 2007 um 11:54
Was fürn Text? oO
Nun zitiere ich einen Comment von dir bei mir, so sinngemäß:
“Ich wollt ja was sinnvolles sagen, aber dann hat mein Vorredner von nem Dreier gesprochen und ich hab nun anderes im Kopf”
Ja, mach sie hübsch nass. Am besten bittest du sie, ein weißes Shirt anzuziehen. Oder nur einen Bikini, is ja warm draußen.
Juni 17, 2007 um 1:21
Hmm, also da war meine Pool-Party schon cooler.
Wegen des Treetbootfahrens: Ich wär gern dabei. Du wolltest mich ja telefonisch kontaktieren… Das Problem an der Sache, mein Akku ist leer und das Aufladegerät steckt ins BS. Werde aber recht frühzeitig zurücksegeln.
Juni 17, 2007 um 7:06
wow für einen abend bespickt aus B- Plänen und C- Plänen wars doch echt gut wies sich anhört
Juni 18, 2007 um 1:01
Christoph! Wo sind die Bilder von feuchten Ami-Schnitten?^^
Juni 18, 2007 um 8:57
Die heißen Ami-Schnitte waren nicht dabei, Paul. Und die anderen wollte ich nicht in nassen Shirts sehen… Ach, @Jule: Stimmt, war echt cool für so einen Aneinanderreihung von Planänderungen und Spontanaktionen…
Juni 18, 2007 um 12:43
Mist.
Juni 18, 2007 um 4:01
@ Paul: Auf der Tour sind nur drei deutsche Männer nass geworden. Die gehörten nicht zu unserer Gruppe, umso besser, weil wir deshalb richtig ablachen konnten.
Juni 21, 2007 um 9:54
Haste denen nicht die Pimp-Fotos zur Aufklärung gezeigt, wie man ne Party gestalten kann!?
Juni 24, 2007 um 11:43
ich möcht die spielregeln wissen