Was hört man da gerade? Die EU hat – in ihrer grenzenlosen Weisheit – ein geniales System zur Rettung der Welt auserchoren: Strafzahlungen. Mit Strafzahlungen lassen sich zwar weder die Polkappen kühlen noch der Regenwald aufforsten, aber sie sind ja nun ein mal die profitabelste Möglichkeit die aktuelle Klimadebatte für die Aufbesserung des eigenen Haushalts zu nutzen.
Worum es mir genau geht? Um die aberwitzige Idee, Automobilhersteller (vornehmlich natürlich die Deutschen) Sollen mit Flottenverbrauchsbedingten Strafen bedacht werden. Flottenverbrauch heißt: Porsche 911 Turbo, 480 PS, Verbrauch 12,8 Liter auf 100km – Strafzahlung im fünfstelligen Bereich.
Ferrari F 430, 490 PS, Verbrauch 18,3 Liter auf 100km – keine Strafzahlung. Denn: Ferrari gehört zu Fiat, Fiat baut kleine Autos, kleine Autos retten den Sumatra-Tiger. Oder so.
Porsche hingegen ist eine eigenständige Marke, daher ist Porsche – als Produzent von nichts anderem als „Dreckschleudern“ – von Grund auf böse. So einfach ist das.
Okay, klar, jetzt könnt ihr sagen: „Hey, du bist Deutscher, du studiertst auch noch Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Fahrzeugbau, klar bist du dagegen und kämpfst für diese verbrecherischen Automobilkonzerne!“ Aber nein, das ist es ganz sicher nicht. Ich halte Umwelt- und Klimaschutz für wichtig, für sehr wichtig sogar. Ich halte nur absolut nichts von diesem blinden Aktionismus, der der Umwelt nichts, aber auch gar nichts bringt!
Umweltpolitik ist „in“ und daher gerade DIE Möglichkeit Geld zu verdienen. Am einfachsten ist es natürlich, sich da zu bedienen, wo die Einnahmen relativ sicher sind – und das trifft nun mal auf die Autofahrer zu. Die Verarsche begann irgendwann mit der Ökosteuer. Die Ökosteuer sollte angeblich als Nachfrage-Regulation den Konsum von Benzin senken und damit der Umwelt helfen. An sich ja ein nobler Gedanke. Nur wurde diese dann nach langem hin und her auf eine Höhe festgelegt, bei der es noch zu gar keiner Nachfrageelastizität kommt, mit anderen Worten: Wir zahlen mehr, Verbrauchen aber nicht weniger und die staatlichen Einnahmen wachsen.
Da die Grünen ja jetzt nicht mehr in der Regierung sitzen, könnte man den Mist ja auch gleich wieder abschaffen. Ja, könnte man. Allerdings ist man für die aktuelle Sozialausgaben-Planung auf die Kohle angewiesen, das muss auch die damals so abgeneigte CDU zugeben.
Aber das auch nur am Rande, eigentlich wollte ich ja weiter auf dem Ökologie-Schwachsinn in Bezug auf die Automobilindustrie rumhacken. Wie gesagt: Öko ist in. Der Kauf eines Kleinwagens oder sogar eines ach-so-sparsamen Hybridautos beruhigt das eigene Gewissen und bewahrt Holland vor dem sicheren Untergang.
Und so sieht man immer wieder im Fernsehen glückliche Menschen im besten Alter, die sich einen Keks freuen weil sie ihre alte Dreckschleuder gegen einen neuen, sparsamen und Umweltschonenden Kleinstwagen aus Korea eingetauscht haben. Ja, glücklich ist, wer nicht weiter denkt.
Denn was macht wohl der freundliche Herr, der so nett war den alten Golf 2 von 1989 UMSONST abzuholen – statt uns noch mit Entsorgungsgebühren zu belästigen – mit dem Auto? Hm, vielleicht verkauft er die Karre weiter, nach Afrika oder in ein osteuropäisches Land. Das macht er natürlich nicht, ohne vorher den alten Kat zu entfernen. Denn ein Kat – hört hört – enthält teure Edelmetalle. Und in Afrika oder Osteuropa kräht da kein Hahn nach.
Aber gut, der Kleinwagen aus Korea, der sparsam ist und umweltfreundlich, fährt ja jetzt in Deutschland und rettet die Umwelt. Natürlich nicht, ohne bei Produktion oder dem Transport schon mal den hundertfachen Schadstoff-Jahresausstoßes des Golfs (der jetzt ja Katalysator-befreit durch Aserbaidschan fährt) zu verursachen.
Aber Umweltpolitik wird in unserem schönen Land ja als nationale Angelegenheit angesehen und nicht als globales Problem. (Naja okay, wenn man sich nicht gerade in Bali trifft und beschließt irgendwann mal irgendwie darüber zu reden irgendwas anders zu machen, danach wieder in den Privatjet steigt und den hundertfachen CO2-Ausstoß des Golfs aus Aserbaidschan in die Athmosphäre… Ach, lassen wir das.)
Wer es wirklich ernst meint sollte da etwas anders Rechnen. Aber wo will man da anfangen? Jede „Öko“-Mandarine, die um diese Zeit in Deutschland gegessen wird, wurde per Flugzeug eingeflogen. Damit hat die Nachfrage nach Mandarinen einen gewissen Einfluss auf die CO2-Billanz. Hey, wie wäre es mit Öko-Steuern auf Mandarinen? Wenn die hier nicht mehr eingeflogen werden, dann retten wir den Sumatra-Tiger, in der Arktis wachsen keine Palmen und die Holländer müssen nicht vom Wohnwagen aufs Hausboot umschwenken. Ja. DAS würde der Umwelt bestimmt helfen.
Wir könnten natürlich auch die ganze Kohle (die im Moment dafür ausgegeben werden soll Schwachsinnsaktionen wie Tempolimit, Strafzahlungen, Katalysatoren der Entwicklungsstufe 34 oder sonst welche nationalen Ökoprogramme zu fördern) verwenden und damit ein bis zwei chinesische Kohlekraftwerke modernisieren. Wollen wir wetten, dass das der Umwelt mehr hilft als eine Reduktion des Pro-Kilometer CO2-Ausstoßes deutscher Neuwagen um weitere sechs Gramm?
Aber nein, machen wir nicht. Umweltpolitik ist einen nationale Angelegenheit und so. Wir lassen lieber unsere alten Kraftwerke von chinesischen Firmen demontieren und in China wieder aufbauen. Von dem Geld kann man dann ja Windanlagen bauen.
Das hilft bestimmt der Umwelt. Naja, zumindest unserer Umwelt. Der Deutschen oder Europäischen Umwelt. Und das Klima wird schon nur woanders verrückt spielen, wenn wir Deutschen es ordentlich behandeln.



Dezember 20, 2007 um 2:37
Wow. Guter Artikel. Wenn du jetzt noch Quellen dafür hättest, wär das ultimativ
Dezember 20, 2007 um 2:57
So, besser?
Ansonsten danke!
Dezember 20, 2007 um 3:13
Das schlimmste ist ja die Tatsache, dass der Straßenverkehr in Deutschland nur zu 18 % am CO2 Ausstoß beteiligt ist.
http://auto-presse.de/news-auto.php?action=view&newsid=15819 Aber mit den dummen Bürgern kann man ja sowas machen. Ich wette, die meisten Leute denken, dass der Straßenverkehr fast zu 100 % CO2 verursacher ist.
Aber imho muss man eh nicht sparen, weil das Öl und die Kohle so oder so aufgebraucht werden. Und ob jetzt ein paar Porsche mehr oder weniger fahren bzw. ob die Rohstoffe 5-10 Jahre früher oder später zur Neige gehen ist realtiv egal. Ja, ich bin ein Umweltschwein, weshalb werde ich auch weiterhin den Drehzahlmesser vom Auto und Motorrad mit Genuss in den roten Bereich Jagen werde.
Gruß Jan
PS: Der Kat hat mit dem CO2 Ausstoß nichts zu tun!
Dezember 20, 2007 um 3:18
Stimmt, der Kat wandelt Stickoxide und Kohlenwasserstoffe zu CO2 um, erhöht damit in gewisser Weise sogar den Ausstoß dieses Treibhausgases.
War etwas ungünstig geschrieben, danke für den Hinweis!
Dezember 20, 2007 um 10:25
Die vor uns haben nicht an uns gedacht, also denken wir auch nicht an die nach uns
und wir werden eh alle draufgehen, wenn die Sonne nicht mehr will! Da könnte man jetzt noch soooooo viel schreiben, aber da ich mir ja auch mal was verkneifen kann…
Eh alles Quak! War ja vorher auch noch nie mal wärmer auf der Erde oder so…
Dezember 22, 2007 um 5:04
Besonders schön finde ich, dass die EU und Deutschland sich selbst als Wirtschaftsstandorte schwächen. Damit wird das Geld noch mehr ins Ausland, speziell nach China verlagert, wo es real sowieso keine Umweltpolitik gibt und damit jeder Preis unterboten werden kann. China und die USA sind schließlich die einzigen, die das Kyotoprotokoll verwerfen. Unserer Ingenieurskunst, die zweifelsfrei noch zu den besten der Welt gehört, fehlt somit irgendwann das Geld, auf diesem Niveau weiterarbeiten zu können, speziell was Umwelttechnik angeht.
Ist doch das gleiche mit den Leuten, die die Atomkraftwerke dicht machen .Bevor wir Alternativlösungen haben, die sich vom Energieaufwand der Herstellung her amortisieren (umstritten:Solarzellen), werden die Dinger abgeschaltet und es entstehen Lücken, also wird Strom aus Frankreich und Russland importiert, deren Sicherheits- und Entwicklungstandards auf dem Niveau des Meilers in der Serie -Simpsons- liegen dürften.
Dazu sei gesagt:Ich bin mir der Endlagerungsproblematik, sowie der Strahlungsprobematik als angehender Ingenier durchaus bewusst, aber man sollte es nicht wie beim Dosenpfand angehen und etwas einführen und später über die Umsetzung nachdenken…
Dezember 22, 2007 um 5:08
… wir unterstützen somit sogar den untragbaren Umgang mit Uran und anderen Ressourcen anderer Länder!
Christoph, ich finds astrein, dass du hier die Nachfrageelastizität mit reingebracht hast, du dreckiger Streber! ;D
Dezember 22, 2007 um 7:16
Wer lang hat lässt lang hängen, oder wie war das..?